…und konkret? Was können Lehrkräfte in der Grundschule machen?

Um diese Frage umfassend beantworten zu können, muss noch tiefergehender geforscht werden. Vielleicht kann zu einem späteren Zeitpunkt eine Antwort darauf gegeben werden. Hier und jetzt sollen zunächst zwei Vorschläge aus der Zeitschrift Praxis Fördern Heft 4 Jahr 2010 vorgestellt werden. Es geht darum, wie mit der Thematik Demokratie im Unterricht umgegangen werden kann und […]

BLK-Programm „Demokratie lernen und leben“

Schule hat bestmögliche Chancen zur demokratischen Erziehung beizutragen, wahrscheinlich sogar höhere als jede andere Institution, da sie potenziell alle Kinder und Jugendliche erreicht. Dieser Meinung waren auch Prof. Dr. Wolfgang Edelstein und Prof. Dr. Peter Fauser, als sie 2001 ihr Modellversuchsprogramm starteten. Das Demokratieprogramm der Bund-Länder-Kommission endete im Jahr 2007. Nichtsdestotrotz lohnt ein tieferer Blick, um anschließend beurteilen zu können, welche demokratischen Strukturen durch dieses Projekt dauerhaften Einzug in unsere Grundschulen erhalten haben.

„Demokratie lernen & leben“ ist ein Schulentwicklungsprogramm, dass sich zum Ziel gesetzt hat, Persönlichkeiten heranzubilden, „welche fähig sind der Ideologie des Nationalsozialismus und allen anderen zur Gewaltherrschaft strebenden politischen Lehrern entschieden entgegen zu treten“ (Kather 2006, S.7). Laut des Berliner Schulgesetzes § 1 soll „Leben auf Grundlage des Demokratiegedankens, […] und des Friedens gestaltet werden“ (vgl. ebd). Schüler deren Wort etwas in der Schule zählt, sind auch eher dazu bereit Verantwortung für etwas zu übernehmen, als Schüler die bevormundet oder stark gegängelt und eingeschränkt werden. Demokratie ist damit eine rechtliche und allgemein anerkannte Aufgabe von Schule (vgl. Edelstein 2001, S. 9). Es gilt also ein demokratieförderliches Klima und mehr Selbstwirksamkeit der Schüler und Schülerinnen in die Schulen einziehen zu lassen.

Laut Internetseite  beteiligten sich in 13 Bundesländern insgesamt rund 200 Schulen. Die Dauer des Programms betrug fünf Jahre: 2002-2007. Ähnliche Zahlen (162 Schulen seit 2002) belegen eine Handreichung (s.u.) des Programms.

Durch die Demokratisierung von Unterricht und Schulleben sollte die Bereitschaft junger Menschen zur aktiven Mitgestaltung am zivilen Leben in einer Gesellschaft gefördert werden. Es ist auch eine „pädagogische Antwort“ auf Gewalt, Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen und auf die seit Jahren gravierend zunehmende Politik(er)-verdrossenheit und Politikdistanz (vgl. Edelstein 2001, S.7). Schule ist in Hinblick auf den Autoritätskontext, die Leistungsanforderungen und den in der Realität geringen Anteil von echter Mitsprache Teil des letzteren Problems. Wann durfte man als Schüler schon mal über die Einstellung gewisser Lehrer, oder bestimmte Inhalte entscheiden?

Innerhalb des Programms sollen vor allem Erfahrungen mit elementaren demokratischen Prozessen gemacht werden, den Schülern politische Kontroversen oder Theorien nahezubringen, wurde als wenig gewinnbringend eingeschätzt. Zu den demokratischen Prozessen gehören:

  • Aushandeln, etwas verhandeln
  • Kooperieren
  • Planen
  • Abstimmen
  • Entscheiden
  • etc.

Insgesamt führen diese Einzelerfahrungen im besten Fall zu „demokratisch orientierter Handlungskompetenz“ (Edelstein 2001, S. 13). Um solche Lernprozesse und deren Ziele zu aktivieren mussten natürlich geeignete Projekte und Situationen gestaltet werden.

Der Fokus liegt also auf Partizipation und Handlungsorientierung. Diese Elemente sind zugleich Voraussetzung und Querschnittsinhalt des Programms, ausgerichtet auf den Aspekt Demokratie als Lebensform, den wir bereits bei Gerhard Himmelmann untersuchen konnten. Mit 4 Schwerpunktmodulen wurde das Bewusstsein für demokratiepädagogische Themen und demokratische Schulentwicklung sowohl bei Eltern, Lehrern als auch bei Schülern gefördert.

Partizipation stellt ein zentrales Prinzip der Demokratie dar, zugleich ist sie zentrales Element und auch Ziel der Demokratiepädagogik. Ohne sie kommt es in keiner Weise zur Ausbildung von Demokratiekompetenz. Mehr Gelegenheiten, die Partizipation bewusst fördern würden, setzen eine partizipationsfreundlichere Schulkultur voraus. (Giesel 2007, S.159) In einer sehr interessanten Untersuchung erörtert Katherina Giesel zusammen mit anderen Wissenschaftlern, die in das Demokratieprogramm involviert sind, welche Beteiligungsmöglichkeiten den Schülern in der Schule eröffnet werden. Desweiteren versuchen sie herauszufinden welche Angebote davon von den Schülern überhaupt als solche wahrgenommen werden. Die Programmschwerpunkte der Schulen, teils mit direktem Demokratiebezug, sollten von den Schülern mit konkreten Berichten aus der Praxis gefüllt werden (vgl. ebd. S. 159).  Die Antworten wurden mit Aussagen von Lehrern und Schulleitern verglichen. Insgesamt zeigte sich ein breites Verständnis von Beteiligung bzw. Partizipation. Dazu gehörte, dass man überhaupt über Angelegenheiten informiert wird, daran mitarbeiten darf, aber auch die klassischen Aspekte der Mitsprache, Mitbestimmung und Mitgestaltung wurden genannt. In der Mehrheit fanden sich unter den Antworten institutionalisierte, informelle (in der Regel kurzfristig) und projektbasierte Beteiligung mit unterschiedlichen Graden der Selbstbestimmung vgl. ebd., S.160)

Zurück zum eigentlichen BLK-Programm: Die Module setzen einerseits auf das Lernen im Sinne von Demokratie lernen und auf die praktische Teilhabe („Demokratie leben“), andererseits auf die Arbeit an der Qualität der Schule. Dabei sind die Module nie komplett trennscharf zu betrachten, sowie auch die Themen mit denen die Module schließlich realisiert werden.

Während der programmatische Rahmen drei Aspekte beinhaltet…:

  • Demokratie als Aufgabe und Ziel von Erziehung, Schule und Jugendarbeit
  • Demokratie als politischer und pädagogischer Begriff
  • Demokratie und Schulentwicklung

…ist die Arbeit an den Schulen in folgende 4 Module (auch als Entwicklungsbereiche bezeichnet) gegliedert:

  • Unterricht
  • Lernen in Projekten (zentrale didaktische Handlungsform)
  • Schule als Demokratie
  • Schule in der Demokratie

Demokratie erfahren wir durch Zugehörigkeit, Mitwirkung, Anerkennung und Verantwortung. Dazu gehört aber auch das Wissen über diese demokratischen Grundsituationen, und diese nicht mit falschen Handlungen auszuführen, bzw. auf sie zu reagieren, zum Beispiel um dazuzugehören eine Gruppe von anderen auszugrenzen und abzuwerten, oder einer Gruppe blind zu folgen. „Demokratie soll als Qualität des gemeinsamen Lebens in der Schule erfahren werden und zugleich Gegenstand des Lernens werden“ (Edelstein 2001, S. 21)

Nach dem Konzept des „verständnisintensiven Lernens“ (ebd. S.22) sollen Wissen, Handlung und Erfahrung für langfristige Lernprozesse miteinander verknüpft werden.

Modul 1: Unterricht

„Wählen mit 16“, „Bewegte Geschichte“, „Biologie-AG“ sind nur drei Beispiele in diesem Modul, die zeigen wie in projektartiger Arbeitsweise Demokratie sowohl auf der Wissens- als auch auf der Handlungsebene behandelt wird. Beim ersten Beispiel zum Beispiel wurde das Wahlverhalten der Jungwählerschaft analysiert,aber auch eine Bundestagswahl simuliert und Podiumsdiskussionen geführt (vgl. Edelstein, S. 31)

Modul 2: Lernen in Projekten

Projekte fördern das kooperative Lernen und können Kinder für eine Sache begeistern. in denen meisten Beispielen spielten auch Schülerpartnerschaften eine große Rolle. Ein tieferer Einblick wird im Programmgutachten (s. u.) ab Seite 32 gewährt.

Modul 3: Schule als Demokratie – „Teilhabe an der Schule und Aneignung der Schule durch Schüler, Lehrer, Eltern und andere Akteure“ (ebd. S. 35)

Wie der Titel des Moduls schon verrät, arbeitet es gegen das Desinteresse und für mehr Engagement in der eigenen Lebenswelt, vornehmlich dem Raum Schule. Zwischen Modul 2 und 3 besteht eine „funktionale und sachliche Überlappung“ (ebd.) Auf dem Weg zu einer Schule als aktive Gemeinschaft müssen echte Partizipationsformen, die Einwirkung auf die Schulwirklichkeit haben, entwickelt und gestärkt werden. Beispiele, die über Klassenrat; die Entscheidung über eine Klassenstunde oder über die Leitung der Jahrgangsversammlung hinausreichen, sind gefragt.

Beispiele: „Schule ohne Rassismus“, „Schüler übernehmen Verantwortung“

Modul 4: Schule in der Demokratie

In diesem Modul geht es um Öffnung von Schule zur Erweiterung der schon im Modul 3 beschriebenen Mitwirkung. Vor allem die Jugendarbeit und Schule bieten Raum für konstruktive und gewinnbringende Kooperation. So können wichtige Orte geschaffen werden, an denen praktische Teilhabe ganz im Sinne von „Demokratie lernen und leben“ erprobt werden kann.

Beispiele: „Stadtteilschule“, „Schule und Nachbarschaft“, „Schul- und Jugendparlamente“ (vgl. ebd. S. 40f)

Weitere praktische Ideen für die demokratiepädagogische Unterrichtsgestaltung und den Schulalltag liefert das Praxisbuch Demokratiepädagogik, an dem Edelstein ebenfalls mitarbeitete:

  • Klassenrat (S. 54f)
  • demokratisches Sprechen und kooperatives Lernen (S.193f): Methoden um Kinder ins Gespräch zu bekommen („Fish Bowl“, „Karussell“, „think-pair-share“, Placemat=“Platzdeckchen“)
  • Debatte: sich eine eigene Meinung bilden können
  • Lernen durch Engagement (z.Bsp. in Form fächerübergreifender Projekte) (S.151f)
  • Partizipation im schulischen Umfeld (S.114f)
  • Vermittlung zwischen zwei Streitparteien/Konflikte bearbeiten lernen (aktives Zuhören, nicht verletzende Ärgermitteilung, etc.)

 

Aufgrund unser begrenzten Zeit und Möglichkeiten hunderte von Grundschulen auf Überbleibsel des BLK-Programms zu untersuchen, können wir nur erahnen wie viele Ideen und Gedanken Edelsteins neben dem bekannten zu einer demokratiepädagogischen aktiven Schule in diesen noch vertreten sind.

Demokratisches Handeln von Kindern wird anscheinend allgemein hin mit dem allseits bekannten Klassenrat assoziiert. Deswegen bietet sich für uns eine nähere Untersuchung von demokratischen Prinzipien und Strukturen in Klassenräten an…


Quellen

Edelstein, W; Fauser, P. (2001):“Demokratie lernen und leben“ Gutachten für ein Modellversuchsprogramm der BLK. Heft 96 BLK Materielien zur Bildungsplanung und zur Forschungsförderung, Bonn: BLK, S.7-

Giesel, Katherina D.; de Haan, G.; Diemer T. (2007): Demokratie in der Schule.Berliner Beiträge zur Pädagogik Band 5, Frankfurt a. M.: Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften, S.151-171.

Edelstein, W.; Frank, S.; Sliwka, A. (Hrsg.) (2009): Praxisbuch Demokratiepädagogik Sechs Bausteine für die Unterrichtsgestaltung und den Schulalltag. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S.7-243.

Edelstein, W.; Kather, B. (Red.)(2006): Eine Handreichung des BLK Programms Demokratie lernen und leben – Selbstwirksamkeit in Schule und Unterricht, Berlin: RAA, S.7f.

Website des BLK-Programms

Probleme des BLK-Programms bezüglich der Grundschule

Die Grundschule könnte an sich als die demokratischste Schule angesehen werden, da seit jeher alle Kinder sie besuchen können. Zudem tragen die vielen in der Grundschule zu findenen reformpädagogischen Ansätze zu einem Bild von der Grundschule als eine humanen, kindorientierte und demokratische Schulform bei.

Es zeigt sich aber, aber das nicht heißt dass an Grundschulen generell „Demokratie lernen“ praktiziert wird. Nicht nur wenden nur ein geringer Anteil der Lehrerschaft die einschlägigen Reformpädagogiken an, desweiteren räumen nur wenige Lehrer und Lehrerinnen Kindern Mitbestimmung im Unterricht ein, geschweige denn in anderen Bereichen der Schule.

Interessant empfand ich, dass im Gutachten des Programms festgehalten war, dass die Lehrperson beträchtlichen Einfluss darauf habe, ob in der Klasse eine Atmosphäre der Annerkennung oder der Ausgrenzung das Klassenleben bestimmt (vgl Edelstein 2001, S.53). Viele überholte schulische Rituale des Bloßstellens werden als größter Problempunkt in Hinblick auf faires und demokratisches Zusammenleben in der Schule. In vielen Schulen bestehe eine Notwendigkeit, an Verhaltensmustern zu arbeiten und die Beseitigung bloßstellender Rituale zu fördern (vgl. ebd).

Aufgrund der schlechter werdenden Leistungen im Rechnen, Lesen und Schreiben rücken sachunterrichtliche Themen (wie zum Beispiel Demokratie, Frieden, Umgang mit sich selbst und anderen) immer mehr in den Hintergund und fallen den „wichtigeren Leistungsanforderungen“ und Individualleistungen zum Opfer. Dadurch werden zahlreiche Möglichkeiten des gemeinsamen Demokratielernens verschenkt. Ferner werden vor allem Lernanfänger wenig im Sinne von Mitbestimmung in der Schule einbezogen. Für sie ist die Institution Schule völlig neu, ihnen wird alles „verodnet“Somit fehlt es auch an Übungen zur Wahrnehmung demokratischer Strukturen (Meinungsbildung, etc.) und Prozesse (Abstimmen, Argumentieren, etc.). Lehrer und Schulen allgemein könnten aber mit Modellen demokratischen Lernens für die Grundschule ihrem Bildungsauftrag Schüler zu teilhabenden Bürgern einer demokratischen Gesellschaft nachkommen (vgl. Edelstein 2001, S.53f).

Das Modellprogramm ist ein sehr komplexes. Seine Komplexität entsteht durch die Arbeit auf verschiedenen Ebenen: Person vs. Institution, Lernen vs. Schulentwicklung, auf denen umfassende Ziele erarbeitet werden („demokratische  Handlungskompetenz“ und „demokratische Schulkultur“). Gleichzeitig aber wird dem Programm vorgeworfen, dass es eher von einem weiten Verständnis von Demokratie ausgeht (vgl. Dondl, S.32) und angesichts dessen Projekte eher auf vorpolitische Aspekte des sozialen Lernens eingehen, welches eine Simplifizierung des Demokratiebegriffs ist.

Schulbeispiele:
Die Wilhelm-Busch-Grundschule ist eine Ganztagsschule in Marzahn. Im Zentrum ihres Konzeptes stehen die so genannte Lernwerkstatt und die ausgeprägte Zusammenarbeit mit externen Kooperationspartnern. Die Lernwerkstatt, neben den anderen Klassenzimmern, gleicht eher einem Laboratorium als einem Klassenzimmer. Alles in dem Raum regt an
zum Selbermachen und ausprobieren an. An der Wilhelm-Busch-Grund
Schule wird versucht, mit der Lernwerkstatt einen Raum für Experimente und kommunikative Lernformen zu
schaffen, in dem Schüler/-innen dort individuell oder in Gruppen intensiv, aktiv und mit Freude lernen und entdecken können. Von dort sollen die Lernimpulse in die ganze Schule ausstrahlen. Sowohl im als auch nach dem Unterricht wird die Lernwerkstatt von den Kindern aufgesucht. Sie können dort Themen und Ideen aus dem Unterricht wieder aufgreifen und vertiefen. Einmal in der Woche bieten Eltern dort eine Hausaufgabenbetreuung an. Der Schulhof soll demnächst für die Kinder des Stadtteiles geöffnet werden. Die Schüler/-innen der Schule haben bereits zu seiner Verschönerung in Eigeninitiative und aus eigenem Wunsch heraus beigetragen. Ziel des Entwicklungswegs, den die Wilhelm-Busch-
Grundschule mit ihren Anstrengungen verfolgt, ist, zu einem Haus des Lernens zu werden, an dem alle
Mitglieder der Schule, Schüler/-innen, Lehrer/-innen, Eltern, aber auch externe Partner aktiv mitwirken und
so die Schule zu einem kulturellen Zentrum im Stadtteil, zu einem produktiven Ort in der demokratischen
Gesellschaft werden lassen. Ferner ist die Schule durch ein hohes Elternengagement und durch aktive Schülermitverwaltung geprägt. Alles in allem also lehrt und lebt diese Schule Demokratie schon sehr gut. (Nicht umsonst wurde sie in den Flyer des Programms übernommen) Über Beispielschulen aus anderen Bundesländern könnt ihr euch (wie ich für Berlin) in dieser Broschüre informieren!
Befähigung zur aktiven gesellschaftlichen Teilhabe ist in vielen Schulen ein  großes Bildungsziel. Doch haben die Schüler überhaupt Lust dazu? Wie reagieren die Lehrer auf das Engagement ihrer Schüler? Wie reagieren die anderen Schüler beim Engagement bestimmter Schülergruppen? (vgl Giesel, S.162)
Nach Untersuchung dieser Fragen fiel eine Schule durch viele demokratiepädagogigsche Projekte, die zu einer motivierend wirkenden Schulkultur und einer hohen Beteiligungsrate führen, sehr positiv auf.
Beispielhafte Elemente im Schulalltag:
  • Aushandlungsrunde
  • Streitschlichterprogramm
  • Schülervertretungsarbeit (innerhalb des BLK Programms entstanden)

In der gesamten Schule wird Demokratie gelebt. Es fand sich sehr gute Bereitschaft in der Schülerschaft und ein hohes Maß an Identifikation mit dem Demokratie-Programm, welches dementsprechend sehr nutzbringend in den Schulalltag integriert wurde ( vgl.Giesel, S. 164f)

An einer anderen Schule jedoch:

  • Schüler wüssten kaum was Demokratie bedeutet (Aussage der Schulleitung)
  • BLK-Programm wurde nur von einer Person an die Schule geholt -> kein Rückhalt bzw. Zusammenarbeit -> konnte nicht fruchten
  • demokratiepädagogische Projekte werden nur selten als solche wahrgenommen (vgl. Giesel, S.165)
  • nur Schülerrat und Klassensprecherkonferenzen, die wenig mit gelebter Demokratie zu tun haben, da der Unterricht davon unberührt bleibt -> überwiegend gegenseitige Beschuldigungen und Misstrauen
  • partizipationsfördernde Lernformen unbekannt (vgl. ebd., S.166)
  • insgesamt wenig Engagement, richtet sich höchstens auf die Ausrichtung von Schulfesten (S.166f)

Fraglich ist welche Beispiele heute, 10 Jahre nach dem Programm, überwiegen. Einen Schüler- bzw. Klassenrat findet sich jedoch an fast allen uns bisher bekannten Grundschulen. Daher folgt im nächsten Beitrag ein intensiverer blick auf diesen…


Quellen

Dondl, Jacob (2013): Politik-Lernen in der Grundschule.Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt

Edelstein, W; Fauser, P. (2001):“Demokratie lernen und leben“ Gutachten für ein Modellversuchsprogramm der BLK. Heft 96 BLK Materielien zur Bildungsplanung und zur Forschungsförderung, Bonn: BLK, S.52-55

Giesel, D. Katherina; de Haan G., Diemer, T. (2007): Demokratie in der Schule. Band 5 Berliner Beiträge zur Pädagogik, Frankfurt a.M.: Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften

Flyer des BLK-Programms: http://blk-demokratie.de/fileadmin/public/dokumente/BLK_Demokratie.pdf

Heike de Boers Untersuchungen zum Klassenrat

Der Klassenrat (Vorläufer waren Dewey und Freinet) ist eine Konstruktion von Erwachsenen für Schüler und Schülerinnen. Beabsichtigt ist damit ein Forum zu schaffen, auf dem die Besprechung alltäglicher Konflikte im Sinne sozialen Lernens und der Beteiligung an der Planung und Gestaltung des Schulalltages stattfinden kann. Er ist ebenso Mittel um demokratisches Sprechen und Handeln zu fördern (Prozesse wie Aushandeln, Toleranz, Etwas zur gemeinsamen Sache machen, Argumentieren, Differenzierung zwischen Sache und Person werden gefördert). Dazu ist es notwendig, dass die Lehrperson sich im Hintergrund hält. Wie stark der Klassenrat als Instrument der Demokratiepädagogik wirken kann, entscheiden weitere zentrale Grundgedanken:

  • Der Klassenrat ermöglicht den Schülern echte Teilhabe und Mitbestimmungsmöglichkeiten.
  • Die Mitglieder des Klassenrats entscheiden gemeinsam, welche Themen sie besprechen.
  • Getroffene Vereinbarungen sind verbindlich, und der Klassenrat fördert die Übernahme von Verantwortung.
  • Der Klassenrat findet regelmäßig statt und hat feste Strukturen und Rituale.
  • Wertschätzung, Anerkennung und ein konstruktives Diskussionsverhalten prägen das Klima im Klassenrat.
  • Für den Klassenrat entwickeln und vereinbaren die Schülerinnen und Schüler eigene Regeln.
  • Die Schüler übernehmen Ämter und damit Verantwortung für das Gelingen des Klassenrats.
  • Die Lehrkraft versteht sich als Mitglied des Klassenrats und lässt Fehler zu.

Besonders wichtig ist es aber den  Kindern anhand des Klassenrats oder einzelnen Entscheidungen, die sie treffen dürfen, Beziehungen aufzuzeigen und nicht vorzuspielen, dass Demokratie in der Schule ein Abbild der wirklichen Demokratie ist. Das könnte zur späteren Enttäuschung und Abwendung führen (vgl. Dondl 2013, S. 212f).

Für ihre Studie nahm Heike de Boer über drei Jahre im Rahmen einer teilnehmenden Beobachtung regelmäßig am Klassenrat einer Grundschule teil. Sie möchte mit ihrer Studie auf die Differenzen zwischen normativen pädagogischen Vorstellungen und schulischer Pragmatik aufmerksam machen. Die Schule nahm an BLK- Programm „Demokratie leben und lernen“ teil (de Boer 2006, S. 199).

Der Klassenrat ist eine ernste Sache, trotzdem „findet dort Probehandeln statt“ (de Boer 2006, S. 167) Die Position der Lehrkraft bleibt aber gegenüber den Schülern und Schülerinnen eine besondere, da sie bei aller Eigenverantwortung der Kinder in dieser Situation, jederzeit eingreifen kann.

Ergebnisse

Der Klassenrat zeigte seine positiven Seiten, muss aber auch Kritik einstecken:

De Boer zeigt ganz deutlich, dass es eine Diskrepanz zwischen den von der Lehrerin intendierten Primärzielen zum Klassenrat und der von den Schülern und Schülerinnen hergestellten Praxis gibt (vgl. de Boer 2006, S. 187). Mittels teilnehmender, video-gestützter Beobachtungen über drei Grundschuljahre hinweg zeigt sich der Klassenrat als öffentliche Bühne, die zur Imagepflege und Selbstinszenierung motiviert und gleichzeitig Handlungsräume zum Argumentieren und Kooperieren bietet. Ziel muss es sein von „der häufig anzutreffenden Reduzierung des Klassenrats als Instrument der öffentlichen Konfliktlösung“ (ebd., S. 201) Auch wenn in pädagogischen Intentionen zum Klassenrat die Planung und Gestaltung schulischen Unterrichts wesentlicher Bestandteil des ritualisierten Gremiums sein sollen, steht in der Alltagspraxis das Thema Konflikte häufig im Mittelpunkt. Oft wird leider nicht nach akzeptablen Lösungen gesucht, sondern es werden Beschwerden vorgetragen und dann versucht ‚möglichst schnell alles aus der Welt zu schaffen‘ und zum nächsten Punkt voranzugehen. Nach den drei Jahren wurde von der von de Boer untersuchten Klasse übrigens beschlossen keine „kleinen Streitigkeiten“ mehr im Klassenrat zu thematisieren.

Gleichzeitig zeigte sich, dass die kindergeleiteten Sitzungen der für unterrichtliche Kommunikation typischen Asymmetrie entgegenwirkten und die Entwicklung Argumentationen und kommunikativer Kooperativität beförderten. Die kooperativen Einigungsprozesse der Schüler/innen bewegten sich zwischen taktischen Erwägungen und überzeugenden Argumentationen und machen auf das Nebeneinander von Peers und Schule aufmerksam. Sowohl Autonomie und Partizipation als auch überangepasstes schulisches Verhalten können die Folge sein.

Fazit

Auch wenn die Studie von Heike de Boer nicht primär untersucht, wie der Klassenrat demokratische Strukturen in einer Schulklasse verankert, oder wieviel Demokratie dann letztendlich in der Realität ’stattfindet‘, sehen wir doch in welchem Spannungsfeld demokratiepädagogische Elemente bzw. Maßnahmen wie ein Klassenrat oder eine Schülerkonferenz in einer eher autoritären Institution wie der Schule stehen. Letztendlich hängt auch wieder viel von der Lehrkraft und deren Ziele und Versprechungen vom Klassenrat ab. Ein Gewinn für das soziale und vorpolitische Lernen stellt der Klassenrat in jedem Fall dar, wenn auch Konfliktbearbeitung meist dominiert. Der Klassenrat bietet aber idealen Raum um Engagement innerhalb und außerhalb der Schule (im Sinne des BLK-Programmes „DLuL“) anzuregen, zu besprechen und auszuprobieren.


Quellen

Dondl, Jacob (2013): Politik-Lernen in der Grundschule.Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt

de Boer, H. (2006): Klassenrat als interaktive Praxis – Auseinandersetzung-Kooperation-Imagepflege. 1.Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S.11-217

Wie ist das allgemeine Verständnis von Demokratie in der Grundschule? – Auswertung der Interviews

Bei zahlreichen Umfragen und Interviews mit Grundschülern/innen von der 1.-6. Klasse stellten wir fest, dass ein breites Verständnis von Demokratie in den Köpfen der Befragten nicht bzw. noch nicht generiert ist.
Auf die Frage, was unter dem Begriff „Demokratie“ zu verstehen ist, folgten Antworten wie „Weiß ich nicht!“ oder „Den Begriff kenne ich nicht!“.
Vereinzelt trat die Antwort auf, dass Demokratie „Herrschaft des Volkes“ bedeutet, was aber auch nicht näher beschrieben werden konnte.
Der Bezug zur Politik ist auch mehrfach gegeben, einige schrieben auf, dass Demokratie mit den Wahlen des Bundeskanzlers zu tun hat. Oder mit Protesten und Demonstrationen, wenn Menschen unterschiedlicher Meinung sind.
Auf die Frage „Was heißt Demokratie?“, entgegneten die meisten befragten Kinder, mit der Antwort „dass wir einen Klassensprecher haben.“ „Konflikte besprechen und verbal zu lösen“ fiel ebenso unter die Hauptantworten. Wahlen und Abstimmungen, wie in der Politik, wurden auch genannt, als demokratisches Element. Der Blickwinkel auf Demokratie ist bei den Grundschülern/innen noch sehr eingeengt und zumeist nur auf die Institution Schule gerichtet. Trotzdem ist es schon ein erster gelungener Schritt, wenn Schüler/innen wissen, dass es wichtig ist, ein gutes Miteinander in der Klasse zu haben, sich nicht zu streiten und im Gespräch kritische Dinge klären zu können.

Laut dem Handbuch für Beraterinnen und Berater für Demokratiepädagogik sollen Kinder „soziale Kompetenzen, Orientierungen und persönliche Einstellungen entwickeln können, die dazu beitragen, die Bedeutung eines demokratischen Gemeinwesens zu verstehen, sowie diese kritisch zu reflektieren und gegen Einwände zu verteidigen“.
Es wird in der Schulkultur dafür aber eindeutig zu wenig getan, um die Kinder in dieser Hinsicht auf das Leben vorzubereiten. Unser Ziel als Lehrkräfte sollte es sein, Kinder zu mündigen verantwortungsbewussten Bürgern zu erziehen, welche in der modernen Welt mitwirken können.
Nur die Institution Klassensprecher bzw. Klassenrat offeriert nicht alle Möglichkeiten, ein demokratisches Gemeinwesen zu verstehen, jedoch ist es sehr wichtig, um ein erstes Beteiligen an demokratischen Entscheidungen zu erreichen.

Es ist Aufgabe der Grundschule, den Schüler/innen eine aktive Teilnahme am gesellschaft-lichen Leben zu ermöglichen. Sie sollen aktiv mitwirken und somit demokratisches Handeln lernen. Konkreter wird der Hinweis gegeben, dass Schüler/innen den Unterricht und das Schulleben mitgestalten und mitbestimmen sollen und somit Mitverantwortung übernehmen.
Anhand der Interviews ist dies erkennbar. Die Schüler/innen haben die Möglichkeit den Schulalltag in jener Hinsicht mitzugestalten, dass sie bestimmte Projekte (Osterprojekt, Schokoladenprojekt) selbst wählen können. Aufgabe der Lehrkräfte ist es, das Interesse an der Mitgestaltung und Mitwirkung im Schulalltag zu stärken.
Durch Institutionen, wie beispielsweise die Schule, Gemeinde, der Sportverein, soll die Grundidee der Partizipation und der demokratischen Entscheidungsfindung gezeigt werden. Die Kinder können in diesen Bereichen wichtige Erfahrungen von Zugehörigkeit, Mitwirkung und Verantwortung machen.
Die Beteiligung der Schüler/innen an demokratischen Entscheidungen und der Übernahme von Verantwortung ist ein essentieller Bestandteil schulischen Lernens, welcher weiterhin gestärkt und gefördert werden muss.
Eine Aussage eines Kindes, zur Frage „warum Demokratie denn gelernt werden soll?“ wirkte auf uns sehr bedeutsam und vielsagend: „Weil wir ein Mitspracherecht haben, weil es uns was angeht, weil es uns interessieren muss, es ist ja unser Land in dem wir leben, da müssen wir mitbestimmen, wer an der politischen Macht ist“.
An dieser Auskunft erkennt man, dass vereinzelt schon die weitreichenden Aspekte des Themenfelds Demokratie in der Köpfen der Grundschüler/innen auftreten, jedoch noch weiter von ihrer Umwelt intensiviert werden müssen.

 


Literatur:
LISUM(Hrsg.)(2007): Handbuch für Beraterinnen und Berater für Demokratiepädagogik. Demokratie erfahrbar machen –demokratiepädagogische Beratung in der Schule.
Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin (2004): Rahmenlehrplan Grundschule Sachunterricht. Wissenschaft und Technik Verlag.

Demokratie im Klassenzimmer

Interviewfragen

1) Was für Projekte in der Schule plant ihr gemeinsam (selbst Vorschlag machen und abstimmen)?
2) Was verstehst du unter Demokratie?
3) Was verstehst du unter
a Demokratie als Herrschaftsform,
b Demokratie als Gesellschaftsform und
c Demokratie als Lebensform?
4) Was ist wohl das Ziel von Demokratielernen in der Grundschule?
5) Welche Umsetzung von Demokratie gibt es bei dir an der Schule?
spezifische Aufgaben/ Ziele
6) Wo in der Welt gibt es auch solche Räte/Gremien?
7) Wer ist alles an deinem demokratischen Umfeld beteiligt
8) Warum meinst du gibt es bei euch einen Klassenrat
9) Inwieweit habt ihr in der Schule/Umfeld die Möglichkeit Erfahrungen von – Zugehörigkeit, – Mitwirkung und – Verantwortung zu machen ?
10) Was bedeutet es Demokratie zu lernen und zu
leben?

Antworten:

Tobias Klasse 6 (27.05.2015)

Zu 1)
Osterprojekt, Schokoladenprojekt
Tobias sagt, dass verschiedene Themen für die Projekte vorgegeben sind, welche dann letztlich von den Klassensprechern ausgesucht werden
die Klassensprecher haben sich vorher dazu mit ihrer Klasse beraten
(alternativ zum Schokoladenprojekt gab es das Gummibärchenprojekt)
von der Klasse wurde zudem festgelegt, dass die endgültige Wahl der Projekte den Klassensprechern überlassen wird
Klassenfahrtziele oder Wandertage stehen aber nicht zur freien Wahl
Zu 2)
Demokratie bedeutet für Tobias, das Volksversammlungen gehalten werden und Volksabstimmungen stattfinden (dass das Volk auch abstimmen kann, „nicht wie bei Hitler“)
Zu 3)
„das heißt in der Schule mitbestimmen durch den Klassensprecher“
das bedeutet, „dass auch Menschen mal zusammen sitzen und sich beraten“
„wir lernen in der Schule, dass man Konflikte auch durch reden lösen kann“
Zu 4)
„dass wir so früh wie möglich wissen, was demokratisch zu leben heißt“

Zu 5)
Klassenrat: dieser findet wöchentlich für 1 Stunde am Freitag statt
die Lehrerin fragt dann wie es uns geht (die Schulleitung ist auch dabei)
der Kummerkasten wird ausgewertet
wichtig ist es, ein gutes Miteinander zu finden und Probleme zu lösen
Zu 6)
„in der Politik, im Kanzleramt, bei den Parteien“, sagt Tobias
dort werden Fragen geklärt, ob wir Flüchtlinge aufnehmen oder anderen Ländern helfen
es gibt auch noch den Familienrat (da werden Probleme geklärt, z.B. vor und nach dem Urlaub) und jeder ist bei der Diskussion gleichberechtigt
Zu 7)
Familie, Politiker, Lehrer, Trainer vom Fußball, Freunde

Zu 8)
„Einen Klassenrat gibt es, um Gespräche besser führen zu können.“
um mitreden zu können, für die Klasse
gibt auch Schülersprecher
sonst wären zu viele Ideen auf einmal

Zu 9)
Erfahrungen von Zugehörigkeit: Fußball, Pausenspiel, Gruppenarbeit, Busfahrt zur Schule, Mittagessen in der Schule
Erfahrungen von Mitwirkung: Clash of Clans, Fußball/Zweifelderball, Schule allgemein, zu Hause (Zimmergestaltung, Essen, Fernsehen, Einkauf)
Erfahrungen von Verantwortung: Hasen füttern, Hausaufgaben vergessen, Vorträge
Zu 10)
keine Antwort

Anakin Klasse 5 (02.06.2015)

Zu 1)
das Ritterprojekt, Schokoladenprojekt
Zu 2)
Unter Demokratie versteht Anakin „Politik und Demonstrationen, da demonstrieren Menschen, die was haben wollen, was sie sonst nicht kriegen“. „Und Schule, da gibt es auch Wahlen und Abstimmungen.“
Zu 3)
a. darunter ist zu verstehen, wer das Sagen hat, die Kanzlerin bestimmt unser Leben und die Parlamentssitzungen
b. Hilfsprojekte für Asylanten und Flüchtlinge
c. dazu gehört Bildung und dass man weiß, Konflikte durch Gespräche zu lösen
Zu 4)
man soll keine pure Gewalt anwenden
dass man später weiß, dass es Wahlen gibt, z.B. um den Bürgermeister oder die Parteien zu wählen
Zu 5)
„Es gibt bei uns ein Klassentagebuch, wo jeder Schüler seine Probleme reinschreiben kann.“
am Ende der Woche wird es mit dem Lehrer besprochen und versucht eine Lösung zu finden
Zu 6)
im Gericht, bei Parlamentsbesprechungen, bei der Arbeit (die Bauarbeiter müssen ja wissen wo sie auf der Baustelle arbeiten sollen) und im Kindergarten unter den Erziehern
Zu 7)
Familie, Freunde, Schule, Klassensprecher, Fußballkumpels
Zu 8)
damit es einen gibt, der die Klasse verteidigt und Probleme löst
immer ein Mädchen und ein Junge für ganzes Schuljahr
Treffen unter den Klassensprechern finden alle 2 Monate statt
Zu 9)
Erfahrung von Zugehörigkeit: Nachhilfekurs, Hobby, Familie, AG´s, beim einkaufen
Erfahrung von Mitwirkung: Schule
Erfahrung von Verantwortung: Schülersprecher, Familie (z.B. auf kleinen Bruder aufpassen)
Zu 10)
„Das wir ein Mitspracherecht haben“
„weil es uns was angeht, weil es uns interessieren muss, ist ja unser Land in dem wir leben, da müssen wir mitbestimmen, wer an der politischen Macht ist“

Es wurden noch weitere Kinder zu der Frage „Was ist Demokratie?“ befragt.

Antworten:

Michelle Klasse 4
Was heißt Demokratie?
„das heißt einen Klassensprecher in der Klasse zu haben“
Leonie Klasse 4
Was heißt Demokratie?
„dass wir einen Klassensprecher haben, aber es sind auch ziemlich viele Rabauken dabei“
„das heißt, auch Konflikte zu besprechen und was in der Woche alles passiert ist“
„wir erteilen auch mal ein Lob untereinander, wenn einer etwas gut in der Woche gemacht hat“

Andre Klasse 4
Was heißt Demokratie?
„das heißt, dass Menschen Rechte haben, wo sie mitbestimmen können“

Was Gerhard Himmelmann unter Demokratie versteht

Im Zuge unseres Projektes zur Demokratie in der Grundschule setzen wir uns mit den Gedanken und Aussagen von Gerhard Himmelmann auseinander. Wir empfinden seine Ansichten als sehr grundlegend und einen guten Ausgangspunkt, wenn man sich mit Demokratie in der Schule beschäftigt. Daher soll hier nun ein Überblick über seine Theorie gegeben werden.

Gerhard Himmelmann =
Mitglied von Rahmenrichtlinienkommissionen und Leiter wissenschaftlicher Projekte
Mitglied im Fachbeirat des BLK- Modellprogramms „Demokratie lernen & leben“
Lehrgebiet: Politische Wissenschaft und Politische Bildung (TU Braunschweig)

Versucht man Demokratie zu definieren, meint Himmelmann, dass es keine allgemein gültige Demokratietheorie gäbe. Jedoch sieht er sie als „Herrschafts-/ Gesellschafts- und Lebensform“(Abb.1) und dazu gehört dann die Geltung bestimmter Persönlichkeits- und Freiheitsrechte, die Existenz regelmäßiger, freier, gleicher, allgemeiner Wahlen und das Bestehen einer Volksvertretung sowie einer Gewaltenteilung. Was Demokratie im Schulalltag bedeuten kann, soll in diesem Blog noch geklärt werden.
„Demokratie bedeutet in diesem Zusammenhang: gegenseitige Anerkennung und Teilhabe an Entscheidungen, Offenheit und ernsthafte Diskussion über die Grundlagen des gemeinsamen Zusammenlebens. Sie bedeutet Gewaltlosigkeit, Rücksicht, Empathie, Toleranz und Solidarität im Verhalten zu Anderen.“ (Himmelmann 2002, S. 4)
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Abb. 1: Demokratie in komplexer Wechselwirkung
(http://www.schulische-gewaltpraevention.de/gewaltpraevention%20sekundarstufe/images3/demokratie3.jpg)
Heutzutage ist feststellbar, dass die Demokratie „zunimmt“. Aber es besteht eine Skepsis bezüglich der Globalisierung, eines institutionellen Wandlungsdrucks und der De-Nationalisierung der Demokratie. Auch entstehen ethisch- normative sowie bürgerschaftliche Fragen und „Demokratiedefizite“. (vgl. Klingemann/ Neidhardt, 2000)
Daraus entsteht, laut Himmelmann, dann ein Ansatz, die Jugend für Demokratie zu aktivieren, indem zur Zivilität und Solidarität erzogen wird. Demokratie soll verstanden und praktisch erlebt werden.
Also: „nicht nur kognitives Wissen anhäufen, sondern vor allem sozialmoralische Einstellungen, sozial erwünschte Handlungsbereitschaften, interaktive Kooperationen, politische Entdeckungsfreude und habituelle Sozialdispositionen wecken“ (Himmelmann 2004, S.6)
Dementsprechend sollten Lernumgebungen geboten werden, dass die erwünschten „affektiv- moralischen Einstellungen“ Anregungen erhalten.

Auch hat die Erziehung und die sozial- emotionale Situation der Kinder und Jugendlichen eine wichtige Bedeutung in der Demokratie.
„Es gibt keine Demokratie ohne überzeugte Demokraten, die die Grunderfordernisse der Demokratie in ihrer Lebenswelt selbst erlernt, eingeübt und verinnerlicht haben.“(Himmelmann 2004, S. 7)
Himmelmann zitiert wichtige Leitsätze anderer Personen zur Demokratie, um Grundlegendes klarzustellen:
– Niemand wird als Demokrat geboren (Michael Greven)!
– Demokraten fallen nicht vom Himmel (Theodor Eschenburg)!
– Noch nie war Demokratie ein Selbstläufer (Siegfried Schiele)!
– Demokratie ergibt sich nicht „naturwüchsig“ (Jürgen Habermas)!
– Demokratie muss gelernt werden, um gelebt werden zu können (K. G. Fischer)!
– Demokratie muss gelebt werden, um gelernt werden zu können (Giesela Behrmann)!
– Demokratie ist ein ständiger „Selbst-„ und „Neuschöpfungsprozess“ (Hans Joas)!
– Demokratie ist nicht nur eine Regierungsform, sondern vor allem eine spezifische „Form des Zusammenlebens“ (John Dewey)!
– Demokratie ist eine „soziale Idee“ (John Dewey)!
– „Demokratie hat die beste Stütze in bewussten Demokraten“ (Adolf Schüle)!

Des Weiteren geht er davon aus, dass das Große im Kleinen anfängt (vgl. Himmelmann 2004, S.7). Gemeint ist, dass die Erziehung zur Demokratie also bei den jungen Menschen ansetzen kann.
„Sie sollen von Anfang an die Universalität und Unteilbarkeit der Grund- und Menschenrechte als Wert ansehen. Sie sollen lernen, diese Werte in ihrem konkreten Leben zu akzeptieren, anzuerkennen und zu praktizieren. Die Achtung der Würde, des Wertes und der Freiheit eines jeden anderen Menschen gehören dazu, allerdings auch das Streben nach Gerechtigkeit und die Anerkennung der Gleichwertigkeit und Gleichbehandlung in einer Welt voller Unterschiede und nicht zuletzt die Akzeptanz von legitimierter Herrschaft und die Achtung der Geltung des Rechts.“ (Himmelmann 2002, S.4)
Er fordert die „demokratische Gesinnung“ und das „Erlernen und Erfahren von Demokratie“ zu verstärken.
Demokratie- Lernen soll dabei praktisch umgesetzt werden und die drei Ebenen „Lebens-, Gesellschafts- und Herrschaftsform“ sollen dabei verknüpft werden. Dabei können in der Schule die fachlichen Anforderungen den jeweiligen Erfahrungshorizonten der Kinder angepasst werden. Sie können zunächst etwas zur Demokratie als “sozial-kooperative, d. h. Verantwortung einübende sowie auf Gewaltverzicht und Toleranz beruhende, aber nicht konfliktlose oder schlicht „harmonische“ Lebensform“ lernen. (Himmelmann 2004, S.12)
Außerdem fordert die Demokratie Eigenverantwortung und die Lehrkraft als Vorbild. Die SchülerInnen lernen nicht nur „von“ sondern auch „an“ der Lehrperson.
„Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler müssen die in der Demokratie geltenden Prinzipien der kooperativen Wechselseitigkeit, der gegenseitigen Anerkennung und der friedlichen Konfliktregulierung zu gemeinsamen Zwecken immer wieder neu reflektieren und praktisch neu einüben.“(Himmelmann 2002, S.9)

By the way sollte an dieser Stelle geklärt werden, was Demokratische Erziehung ist:
„Eine Erziehung, welche der Staats- und Gesellschaftsform ‚Demokratie‘ entspricht, sich mit ihren Prinzipien im Einklang befindet, ihr zuarbeitet in dem Sinne, dass sie die Kinder befähigt, Demokraten zu werden, Bürgerinnen und Bürger eines demokratischen Gemeinwesens, wenn möglich sogar entschiedene Verwirklicher und Verteidiger der Demokratie.“ (Andreas Flitner, 1996)

Es stellt sich die Frage, ob man in der Schule von Demokratie sprechen kann, wenn die SchülerInnen Zensurenregelungen, Rahmenlehrplänen, Schulbüchern etc. unterliegen?
Ich denke, dass Demokratie in kleinen Teilen umgesetzt werden kann…
Beispielweise gibt es ja Klassenräte, Klassen-/Schulsprecher, Elternvertretungen, Fachkonferenzen u.ä. , welche dann sozusagen die „Volksvertretung“ und eine „Gewaltenteilung“ repräsentieren. Aber inwieweit eine Schule bzw. eine Lehrkraft dann die SchülerInnen mitbestimmen oder auch bestimme Aspekte oder Themen wählen lässt und inwiefern die Persönlichkeits- und Freiheitsrechte beachtet werden, variiert wahrscheinlich stark.

Himmelmann nennt Ebenen des Demokratie- Lernens, welche Anhaltspunkte für einen „demokratischen“ Unterricht darstellen. Exemplarisch sollen einige vorgestellt werden:
Die Beziehung zwischen LehrerInnen und SchülerInnen beruht auf einem „demokratischen Erziehungsstil“-> Achtung, Anerkennung, Vertrauen, Recht auf Respekt vor der PK, Gleichberechtigung, Partizipation
Die Beziehung zwischen den SchülerInnen: „Ansätze des Lernens im Umgang mit Emotionen, mit Konflikten, Fremden und Besonderheiten zeigen die Ziele und die Methoden des Erlernens eines demokratischen Miteinanders unter den Schülern, des Erlernens von Toleranz, von Selbstvertrauen, von Selbstbestimmung und von Selbstkontrolle im sozialen Kontext.“
Ein „förderliches Lernklima“ soll erzeugt werden; Disziplinlosigkeit wird als „undemokratisches Verhalten“ erachtet.
Schulische Konflikte werden mit demokratischem Verhalten gelöst.
Fachunterricht zur Politischen Bildung sollte „Erfahrungen ermöglichen, Möglichkeiten und Grenzen des Demokratie- Lernens reflektieren und vor allem konkrete demokratiepädagogische Erfahrungs- und Handlungsfelder erschließen“, sodass die Demokratie für SchülerInnen inhaltlich nicht uninteressant wirkt
„Vom Demokratie- Unterricht müssen übergreifende, handlungsorientierte Projekte des demokratischen Handelns in der Schule ausgehen. Dazu bedarf es eines offenen, fächerübergreifenden und kommunikativen Unterrichts, in dem die Schülerinnen und Schüler auch Erfahrungen mit den vielen Schwierigkeiten, Problemen, Hemmnissen, Konflikten und Anforderungen des demokratischen Prozesses sammeln.“
(Himmelmann 2004, S. 14- 15)
Durch das Demokratie- Lernen erwerben SchülerInnen Kompetenzen im Bereich der affektiv- moralischen Einstellungen, kognitive Fähigkeiten und praktisch- instrumentelle Fertigkeiten.
Hinzuzufügen ist, dass Himmelmann eine Erneuerung der politischen Bildung in der Schule fordert. „Die Auffassung, dass politische Bildung nicht dabei stehen bleiben kann, abstraktes Wissen über politische Probleme der Zeit, über die repräsentative Demokratie und das Grundgesetz zu vermitteln, hat zugenommen.“(Himmelmann 2004, S.2)
Auch stellt er die Überlegung an, ob der Begriff „Politische Bildung“ veraltet ist und es lieber „Erziehung zur Demokratie“ heißen sollte. (vgl. Himmelmann 2004)
Der Unterricht sollte auch schon in der Grundschule lebensnah und erfahrbar gestaltet werden und es sollte eine „Öffnung hin zum sozialen Lernen“ erfolgen.
„Eine solche politische Bildung soll den Kindern und Jugendlichen – von der Grundschule an – konkrete Lebens- und Orientierungshilfen anbieten, diese Lebenshilfe mit sozialem Lernen verknüpfen und auch die „politische“ Dimension des gemeinsamen Zusammenlebens in der Gesellschaft deutlich machen.“ (Himmelmann 2004, S.2)
Auch soll die Selbstwirksamkeit und das Selbstbewusstsein der Kinder, das soziale Bewusstsein und die politische Sensibilität für Ereignisse im Umfeld der SchülerInnen gefördert werden. Man soll nicht nur über Demokratie reden, sondern auch demokratisch Denken und Handeln. (vgl. Himmelmann 2004) Des Weiteren sollen die Kinder reale demokratische Verhaltensweisen an den Tag legen: „Gewaltverzicht, Zivilität, Fairness, Toleranz, Selbstregulierung, Solidarität und Selbstverwirklichung im sozialen Kontext und um soziale Kooperation zu gemeinsamen Zwecken“. (Himmelmann 2004, S.10)
Das gesellschaftliche Zusammenleben soll auch in der Schule auf Freiheit und Gleichheit basieren.
Nun stellt sich die Frage, wozu Demokratie- Lernen also stattfinden soll?
Himmelmann meint, dass den Kindern und Jugendlichen Probleme, Gefahren und Konflikte im menschlichen Zusammenleben verdeutlicht werden sollen und wie diese zu bewältigen sind. Die Grundlagen der Demokratie sollen bewusst werden und im eigenen Verhalten sowie bei der Beurteilung anderer Menschen berücksichtigt werden. (vgl. Himmelmann 2004)
„Solches Demokratie-Lernen soll – im Kleinen und im Großen – die Strukturen und Verfahren der gemeinsamen Willensbildung, Entscheidungsfindung, Organisation und Umsetzung von gefassten Beschlüssen nahe bringen. Zugleich sollen den Kindern und Jugendlichen – im Kleinen und im Großen – die drängenden Fragen der Zeit, unserer Geschichte, der Zukunft und der Welt im globalen Zusammenhang der Bewältigung zugänglich gemacht werden, damit die Jugendlichen in ihrer Einzelheit die Orientierung am Ganzen nicht verlieren. So verstanden, wird Demokratie-Lernen nicht unpolitisch sein“ (Himmelmann 2004, S.16)
„Demokratie-Lernen ist ein gewichtiger Teil der uns gestellten Aufgabe der Bürgerqualifizierung – im Kleinen und im Großen.“
(Himmelmann 2004, S.17)

Abschließend sei zu sagen: Ob die Dreiteilung Himmelmanns Sinn macht, wurde und wird aus politikdidaktischer Sicht diskutiert, da die Agrenzungen zwangsläufig fließend sein müssen (Dondl, S.212). Auch nach dieser Zusammenfassung bleibt Demokratie ein verschwommener und mehrdeutiger Begriff. Das weist uns daraufhin, dass wir bei jeder Erwähnung dieses Begriffs selber herausfinden müssen, welches Verständnis in der jeweiligen Situation dahinter steckt.

Wir bleiben gespannt was -im Gegensatz zu dem von uns gewählten Wissenschaftler Hr. Himmelmann- Kinder unter Demokratie verstehen und wie Demokratie, ob im Kleinen oder Großen, überhaupt wirklich an Grundschulen stattfindet.

Quellen:

Dondl, Jacob (2013): Politik-Lernen in der Grundschule. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt. S.11-217.
Flitner, Andreas(1996): Schule und Demokratie, in: Grundschulzeitschrift, H. 100/1996, „Grundschule als Schule der Demokratie“, S. 6 – 9.

Himmelmann, Gerhard (2002) Demokratie- Lernen- Eine Aufgabe moderner Bildung
http://schule-demokratie.brandenburg.de/experten/GerhardHimmelmann_DemokratieLernen.pdf
(letzter Zugriff: 15.06.15)

Himmelmann, Gerhard (2004): Demokratie- Lernen: Was? Warum? Wozu? In: Edelstein, W./ Fauser, P.(Hrsg): Beiträge zur Demokratiepädagogik- Eine Schriftenreihe des BLK- Programms „Demokratie lernen & leben, Berlin

Himmelmann, Gerhard (2007): Demokratie-Lernen als Lebens-, Gesellschafts- und Herrschaftsform. Ein Lehr- und Studienbuch, Schwalbach/Ts., 3. Aufl.

Klingemann, Hans-Dieter; Neidhardt, Friedhelm (2000): Zur Zukunft der Demokratie. Herausforderungen im Zeitalter der Globalisierung. Berlin: Edition Sigma (WZB-Jahrbuch, 2000)

Welche Anforderungen werden im Rahmenlehrplan Sachunterricht an die Schüler/innen gestellt, wenn es um Demokratie geht?

Der Rahmenlehrplan ist eines der Dokumente, welches für die Lehrkräfte das Gerüst des zu behandelnden Inhaltes vorgibt. Auf den ersten Blick scheint Demokratie in unseren Grundschulen wenig Anteil zu haben. Doch welchen Stellenwert nimmt diese im Rahmenlehrplan ein und welche Verweise beziehen sich darauf? Dies gilt es im Folgenden kurz zu erläutern.

Beim Lesen des Rahmenlehrplans Sachunterricht fällt zunächst auf, dass Demokratie vor allem in Bezug auf ein demokratisches Handeln erwähnt wird. Es ist Aufgabe der Grundschule, den Schüler/innen eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Sie sollen aktiv mitwirken und somit demokratisches Handeln lernen. Konkreter wird der Hinweis gegeben, dass Schüler/innen den Unterricht und das Schulleben mitgestalten und mitbestimmen sollen und somit Mitverantwortung übernehmen.[1]

Einen zweiten großen Komplex im Rahmenlehrplan bilden die demokratischen Entscheidungen. Diese werden vor allem dem Themenfeld Zusammen leben zugeordnet. Die Schüler/innen beteiligen sich an demokratischen Entscheidungen und übernehmen somit Verantwortung für sich selbst und für die Umwelt[2]. Damit wird bereits deutlich, dass die demokratischen Entscheidungen als Bestandteil des demokratischen Handelns in der Grundschule den Großteil der demokratischen Erziehung einnehmen. Schaut man noch etwas tiefergehend in die Beschreibung des Themenfeldes, drehen sich alle weiteren Erläuterungen um diese Aussage herum. Die Schüler/innen sollen zu einem verantwortlichen Handeln ermutigt werden, sowohl in privaten, als auch in öffentlichen Zusammenhängen. Um dies leisten zu können, ist ein demokratisches Grundwissen notwendig. Es ist Aufgabe der Lehrkräfte, das Interesse an der Mitgestaltung und Mitwirkung zu stärken. Dadurch soll es den Schüler/innen möglich sein, „an der Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft mitzuwirken“[3]. Dies beinhaltet zudem, für Toleranz und Offenheit zu stehen und sich vorurteilsfrei und tolerant durch die Welt zu bewegen. Die Entscheidungsprozesse betreffend wird noch darauf hingewiesen, dass sich die Vorstellungen aller innerhalb eines fest vorgegebenen Rahmens bewegen, verhandelbar sind und durch Vereinbarungen geregelt werden. Ein Vertraut machen mit allen genannten Punkten soll durch Beispiele aus dem Umfeld der Schüler/innen geschehen. Durch Institutionen, welche die Kinder kennen, beispielsweise die Schule, Gemeinde, der Sportverein, soll die Grundidee der Partizipation und der demokratischen Entscheidungsfindung verdeutlichen.[4] Für die dritte und vierte Klasse wird hinsichtlich der Umsetzung in der Schule zudem noch konkret darauf hingewiesen, dass durch Mitwirkungsgremien wie Klassenrat, Klassensprecher, Schulparlament ein Beteiligen an den demokratischen Entscheidungen erreicht werden kann[5].

Doch wissen Kinder dadurch wirklich schon, was Demokratie überhaupt ist? Die Prinzipien der Demokratie tauchen im Rahmenlehrplan lediglich an einer Stelle auf. Die Kinder sollen eine Sachkompetenz erwerben, welche unter anderem beinhaltet, dass sie ausgewählte Prinzipien der Demokratie kennen und ihr Handeln daran orientieren.[6]

Demokratie als Bestandteil des politischen Lernens ist ein wichtiges Thema, da es sich auf das Zusammenleben aller Menschen bezieht und somit auch jeden etwas angeht. Im Rahmenlehrplan werden viele Hinweise gegeben, sodass diese Thematik theoretisch in jeder Klasse zum Thema gemacht werden sollte. Vorsicht ist bei den Ausführungen im Rahmenlehrplan dabei zu nehmen, dass Demokratie nicht allein das Mitbestimmen im Klassenrat oder Schülerparlament ist, sondern viel weitreichendere und tiefergehende Aspekte beinhaltet. Ob etwas davon bei den Schüler/innen im Gedächtnis bleibt, werden wir versuchen im Folgenden zu untersuchen…

Literatur:

Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin (2004): Rahmenlehrplan Grundschule Sachunterricht. Wissenschaft und Technik Verlag.

[1] Vgl. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin (2004), S. 7.

[2] Vgl. ebd., S. 19.

[3] Ebd., S. 27.

[4] Vgl. ebd S. 27.

[5] Vgl. ebd., S. 38.

[6] Vgl. ebd., S. 18.